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Liebe alle
9. April 2006 – also heute vor 20 Jahren: Bernhard Pulver wird in Bern als erster offen schwuler Regierungsrat gewählt. Bis zu seinem Rücktritt 2019 war er Vorsteher der Erziehungsdirektion des Kantons Bern. Bernhard hatte sich viele Jahre für gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare engagiert – etwa bei Pink Cross und den Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB, heute hab queer bern). Als Grossrat des Kantons Bern reichte er 2001 die parlamentarische Initiative für eine registrierte Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare mit ein.
Nach seinem Rücktritt als Regierungsrat war Bernhard Pulver bis 2025 Präsident des Verwaltungsrats der Insel Gruppe. Heute ist er Dozent für «politische Steuerung» an der Universität Bern. Und er ist Mitglied von queerAltern Bern.
Für den Newsletter von schwulengeschichte.ch durfte ich Bernhard Pulver interviewen:
Frage: Die Freude in unserer Community war gross, als du vor 20 Jahren zum ersten offen schwul lebenden Regierungsrat eines Kantons gewählt und zum Vorsteher der Erziehungsdirektion des Kantons Bern wurdest. Und wahrscheinlich gab es damals noch Lehrer, die sich nicht getrauten, sich als Schwule zu outen. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Ich war immer selbstverständlich und offen schwul. Das hat sicher Lehrer*innen und Mitarbeitende motiviert und gestärkt. Diskriminierung in meinem Bereich wurde schwieriger, wenn der «oberste Chef» offen schwul ist. Ich lebte das so selbstverständlich, dass es bei mir kaum je zu Fragen führte. Aber damit war Diskriminierung nicht einfach weg. Die Medien interessierte das Thema sehr: Fast immer, wenn ein*e Politiker*in sich outete, kamen Fragen an mich, wie ich mit dem offenen Queersein so lebe ...
Was bedeutet es für dich heute persönlich, dass du damals «der erste» warst?
Ein kleines bisschen erfüllt es mich mit Stolz. Wobei ich auch sagen muss: Es war natürlich als Mitglied der Grünen einfacher als etwa als Freisinniger, und ich hatte Eltern, die mich ohne Weiteres so akzeptierten, wie ich bin – wofür ich ihnen noch heute dankbar bin.
Das ganze Interview kann in Kürze auf www.schwulengeschichte.ch gelesen werden.
Herzlichst Daniel Frey, Co-Präsident
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