Der Zürcher Kantonsrat verhindert den sofortigen Schutz queerer Menschen

Die Geschäftsleitung des Kantonsrates Zürich hat beschlossen, das Geschäft zum kantonalen Verbot von Konversionsmassnahmen zu sistieren. Mit diesem Entscheid wird ein sofortiger Schutz queerer Menschen vor Konversionsmassnahmen verhindert.
Im Kantonsrat Zürich wird zurzeit ein kantonsweites Verbot von Konversionsmassnahmen diskutiert. Damit wären queere Personen in Zukunft geschützt vor gefährlichen und menschenrechtswidrigen Massnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität zu verändern.
Die Geschäftsleitung des Kantonsrates Zürich hat in ihrer Sitzung vom 29. Oktober 2026 einem Sisitierungsantrag Folge geleistet. Der Sistierungsentscheid war insbesondere aufgrund des Stimmverhaltens von SVP, FDP, EVP und der Mitte möglich. Mit diesem Beschluss wird das Verbot von Konversionsmassnahmen im Kanton Zürich vorerst nicht mehr weiterverfolgt.
Die queeren Dachverbände und die HAZ – Queer Zürich verurteilen diesen Entscheid scharf. «Besonders enttäuscht sind wir von der Mitte: Sie hatte sich von Beginn an für die Vorlage ausgesprochen – und trägt nun dazu bei, dass der Schutz weiter aufgeschoben wird», sagt Dominik Steinacher, Co-Präsident der HAZ – Queer Zürich. «Auch die Haltung der EVP lässt uns mit grossen Fragezeichen zurück. Ein Mitglied der Kantonsratsfraktion der EVP war selbst von Konversionsmassnahmen betroffen.»
Die queeren Dachverbände und die HAZ – Queer Zürich verurteilen auch die Haltung der FDP zur Sistierung. «Eine Partei wie die FDP muss sich insbesondere aus liberaler Perspektive für Selbstbestimmung und somit für ein solches Verbot einsetzen», sagt Dominik Steinacher.
«Es liegt in Zürich ein fertig ausgearbeitetes Gesetz vor, welches nur noch vom Kantonsrat verabschiedet werden müsste. Wieso dieses nun in einer Schublade verschwinden soll, ist uns unverständlich», sagt Electra Zacharias vom Transgender Network Switzerland.
Die HAZ – Queer Zürich lanciert nun zusammen mit TGNS, der Lesbenorganisation Schweiz und Pink Cross eine Petition und fordert den sofortigen Schutz queerer Menschen vor Konversionsmassnahmen im Kanton Zürich. Elle Bohner von der Lesbenorganisation Schweiz führt aus: «Jede weitere Verzögerung beim Schutz vor Konversionsmassnahmen ist eine politische Entscheidung mit realen Konsequenzen für queere Menschen. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass dieser Schutz so schnell wie möglich in Kraft treten kann.»

