Ein Stimmungsbericht von der zweiten Mitgliederversammlung

Ab 14.30 Uhr trudelten an diesem Samstag, 28. März 2026 die Members im Stellwerk ein, während fleissig an der Technik und am Vorstandstisch gearbeitet wurde.
Daniel Frey eröffnete in seiner Funktion als Co-Präsident die Sitzung mit einer kurzen Erklärung zur Mitgliederversammlung: das oberste Organ eines Vereines regelt (meist jährlich) zentrale Vereinsangelegenheiten. Er betonte, dass wir Standarddeutsch reden, über Dinge und nicht Personen, sachlich und kurz, damit alle die Chance haben, sich zu äussern.
Zwei Grussbotschaften aus der Politik zeigten, wie verschieden Stadt und Kanton Bern mit den Anliegen von queeren Menschen umgehen.
Die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit (Psychologin/Psychotherapeutin, *1968, SP) führte aus, dass unser Verein sich trotz seiner Jugend sehr etabliert anfühlt mit knapp 200 Members. Gemeinschaft, gute Gespräche seien gerade in der zunehmend digitalen Welt ein Bedürfnis. Marieke Kruit dankte den älteren queeren Menschen für ihr Engagement, vieles habe sich bewegt, das Sichtbarwerden, die politische Stimme, die rechtliche Anerkennung der eingetragenen Partnerschaft und das Ja zur «Ehe für alle» – und gleichzeitig die Realität des Backlash, der Sorge mache, auch in der Schweiz. Es dürfe nicht sein, dass der Fortschritt rückgängig gemacht werde, die klare politische Botschaft der Stadt Bern sei: Wir stehen an der Seite der Community, alle müssen gemeinsam Stellung beziehen gegen Hass, Verantwortung übernehmen. Im Rahmen der Initiative gegen Hasskriminalität habe die Kantonspolizei 30 Religionsgemeinschaften, Bildungs- und andere Organisationen ins Boot geholt. Unser Kanton ist vielfältig!
«Ich danke Ihnen für das Engagement, den Mut und den Druck, der uns in der Politik manchmal daran erinnert, etwas schneller vorwärtszumachen. Altern soll bunt sein, Vielfalt ist Stärke.»
Direkt von der Strasse kam die Grossrätin Rahel Ruch (politische Beraterin, Studentin, *1986, Mitglied Grünes Bündnis) zu uns und betonte, dass viele Themen, die queerAltern Bern betreffen, auf kantonaler Ebene behandelt werden wie die Alters- und Gesundheitspolitik, und dass der zuständige Regierungsrat nicht so bedingungslos auf Seiten der Community stehe, der Kanton sei sehr bürgerlich, sehr konservativ und leider habe es viele Homophobe. Das 2022 im Rat beschlossene Verbot von Konversionstherapien sei noch nicht umgesetzt, 2023 wurden nach einer unangenehmen Diskussion mit Zufallsmehr geschlechtsangleichende Massnahmen für Jugendliche verboten. Jedes Kind im Kanton Bern solle Zugang haben zu sexualkundlichem Unterricht in der Schule, das sei sehr wichtig für die Zukunft und deshalb gebe es das neue Rahmenkonzept. (An dieser Stelle eine Randbemerkung: Rahel hat die Wiederwahl in den Grossrat geschafft!)
«Das Thema Queer und auch queerAltern sollte noch präsenter sein in der Kantonspolitik – wenn ich am Montag immer noch Grossrätin bin, möchte ich das anpacken. Ohne euch stünde ich nicht hier, danke für euer Engagement.»
Zentrale Vereinsanliegen
Nach den Grussworten ging es zu den «zentralen Vereinsanliegen» gemäss Traktandenliste. 56 Mitglieder waren anwesend, die für Statutenänderungen nötige zweidrittel Mehrheit liegt bei 38, 13 Entschuldigungen, zwei Gäste und zwei Referentinnen.
Stimmenzähler*innen bestimmt, das Protokoll der MV vom 11. März 2025 genehmigt, der Antrag «Mitgliederverzeichnis für alle Mitglieder öffnen» wurde umgesetzt, indem mit TEAMWORK eine Plattform für die Vernetzung unter Mitgliedern zur Verfügung steht. Viele haben ein Profil mit Foto erstellt, wer die Handynummer angibt, wird in die WhatsApp-Gruppe aufgenommen. Der Anmeldeprozess ist optimiert, wer das Passwort vergisst, kann es mit einem Formular zurücksetzen lassen und wenn gar nichts geht, kann Daniel Frey das Profil löschen, damit ein neues erstellt werden kann.
Auf Antrag des Vorstands werden die Statuten geändert, mögliche Missverständnisse ausgeräumt. Das Vereinsjahr beginnt mit der MV, der Mitgliederbeitrag (Einzahl) wird auf Vorschlag des Vorstands von der MV erhoben. Wahlen sind neu auf ein Vereinsjahr, wir werden alle älter und ein Jahr ist überschaubarer. Auch die Beschränkung des Vorstandes auf sieben Personen macht in diesem Zusammenhang keinen Sinn, gerade für Übergänge ist Flexibilität wichtig und überwiegt den Nachteil der Komplexität bei mehr Meinungen. Ergänzt wird, dass eine Person mehrere Funktionen haben kann, sonst würde es mindestens vier Personen brauchen.
Rechenschaft ablegen
Co-Präsidium und Vorstand legen Rechenschaft ab – «Da, wo Freundschaften entstehen». Die «queerlige» Anna Siegenthaler und der «Stubenhocker» Daniel Frey ergänzen sich optimal. Ein Höhepunkt war die gemeinsame Rede an der BernPride, auch wenn der Wolkenbruch die Zuhörenden vom Bundesplatz fegte. Besondere Erwähnung verdienen die geplanten Ausflüge und Führungen nach Burgdorf, nach Thun und die private Führung Mitte April nach Basel zur Ausstellung «Die ersten Homosexuellen». Mit Micha von der Sportuni gibt es «Bewegungsförderung im Alter» und da wir jetzt eine grössere Halle haben, hat es für alle Turner*innen Platz. Im Marzilipark kann Boule und Pétanque gespielt werden, es gibt einen Einführungskurs von zwei Stunden. Queere Filme werden abends und nachmittags für den Verein gezeigt – im Uncut-Newsletter ist die gewünschte Einführung zu finden, die aus zeitlichen Gründen nicht im Rex stattfinden kann.
Im Bierhübeli gibt es einen QUEER TEA DANCE – Mittwoch, 13. Mai, der Tag vor Auffahrt. Alles kommt auf die Homepage. Bitte nutzt den Vorverkauf, dann findet es garantiert statt.
Marianne Ulmi berichtet über die Umfrage zum Thema «Welche Zukunft für das Wohnen im queeren Alter schwebt Ihnen vor?», Hugo Zimmermann über «queer key» (queersensible Pflege und Betreuung) und Ursula Dischler über «Queer begleitet Queer» – vieles wurde erreicht, vieles bleibt zu tun und gesucht sind Personen, die sich einbringen, zur Verfügung stehen als Begleiter*innen, denn sonst macht es keinen Sinn, dafür Werbung zu machen. Gleichzeitig ist über die WhatsApp-Gruppe und TEAMWORK eine Vernetzung entstanden, die im Krankheitsfall trägt, und dafür ein grosses Merci.
Die Kommunikation umfasst unter anderem sieben Podcast-Ausgaben im Jahr 2025 mit durchschnittlich 700 Hörer*innen. Marianne Ulmi und Änn Vincent Dällenbach wird für die Zusammenarbeit in der «KommGru» gedankt.
Die Décharge wird dem Vorstand erteilt, der Mitgliederbeitrag bleibt bei 80 Franken für 2026 und die Rechnungen werden zeitnah versendet.
Hitzig wurde es zum Budget, vor allem im Zusammenhang mit «queer key». Aus Gründen der Transparenz hat dieses Projekt ein eigenes Konto, aber keine Rechtspersönlichkeit, das ist der Verein queerAltern Bern. Es gibt einen Fonds mit Reglement, das Geld ist zweckgebunden. Der Verein und sein Budget sind viel kleiner als das Projekt und dieses Budget, aber es besteht kein Risiko für den Verein, niemand haftet, da wir Mitgliederbeiträge erheben. Gewisse Beträge im Vereins-Budget sind höher, neue Software, teurere Vereinsversammlungen. Wir sind ein junger Verein, wir haben noch wenig Erfahrungswerte.
Das Budget wird angenommen und es wird einen Versand per Mail geben mit dem Fondsreglement und einem «Factsheet» zu «queer key».
Mit Walter Kunz und Hans Peter Hardmeier werden zwei neue Mitglieder in den Vorstand gewählt. Da jetzt seine Nachfolge geregelt ist, tritt Daniel Rothacher zurück und bekommt einen grossen Dank für seine Mitarbeit im Bereich der Buchhaltung («Ohne Belege läuft da nichts.»). Die Revisionsstelle ist auf zwei Jahre gewählt und somit noch ein Jahr im Amt – auch ihnen gilt Dank.
Als Übergang zum Tanz wurde der Saal umgebaut, es gab einen Apéro mit Kuchen und Späckzüpfe, engagierte Gespräche wurden geführt und die vielen Listen beim Eingang, auf denen Anmeldungen für Ausflüge und andere Anlässe möglich waren, wurden gefüllt – und wir haben seit der MV vier neue Mitglieder.
Änn Vincent Dällenbach (they/them)

