Hate Crime Bericht 2026: Keine Verbesserung ohne verbindliche Schutzmassnahmen

Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit IDAHOBIT vom 17. Mai 2026 kämpft die queere Community weltweit gemeinsam gegen Gewalt und Diskriminierung. Dass dies auch 2026 in der Schweiz notwendig ist, zeigt der zum achten Mal erscheinende Hate Crime Bericht der LGBTIQ Helpline.
Im letzten Jahr wurde 281 Mal Meldung gemacht wegen queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung. Eine aktuelle Studie aus Genf zeigt, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist: So erleben über 80 Prozent der LGBTIQ-Personen Diskriminierung und Gewalt im öffentlichen Raum.
→ zum vollständigen Bericht (PDF)
Runter mit der Dunkelziffer
Die aktuelle Iceberg-Studie aus Genf zeigt, dass LGBTIQ-Personen mit massiv höherer Wahrscheinlichkeit Opfer von Beleidigungen, Diskriminierungen und Angriffen werden als der Rest der Bevölkerung. Somit muss davon ausgegangen werden, dass es bei der Meldung von Hate Crimes eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Damit Hate Crimes sichtbarer werden und die Öffentlichkeit aktiver dagegen vorgeht, rufen die LGBTIQ-Dachverbände dazu auf, erlebte oder beobachtete Hate Crimes konsequent unter der neuen Website stophate.ch zu melden.
Milo Käser von der LGBTIQ Helpline fordert: «Wir müssen Hate Crimes nicht still hinnehmen. Meldungen machen die Gewalt sichtbar und zeigen den Handlungsbedarf. Zudem kann Betroffenen mit Unterstützungsangeboten geholfen werden.»
Jährliches Reporting zu Hate Crimes gegen queere Menschen
Hate Crimes gegen LGBTIQ-Personen sind Beschimpfungen und Taten, die gezielt aufgrund der sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsmerkmale einer Person verübt werden, dies aufgrund von Hass, Vorurteilen oder Ablehnung gegenüber queeren Menschen. Die LGBTIQ Helpline veröffentlicht seit 2018 jährlich die eingegangenen Hate Crime Meldungen und zeigt, wer diese wo und von wem erleiden muss.
Mit 281 Meldungen bleibt die Gewalt auf hohem Niveau
Während im Jahr 2022 noch 134 Meldungen gemacht wurden, schnellte diese Zahl im Jahr 2023 auf 305 Meldungen hoch. 2024 erreichte sie mit 309 Meldungen einen vorläufigen Höhepunkt und hat sich im Jahr 2025 auf hohem Niveau bei 281 Meldungen eingependelt.
Für Daniel Furter, Geschäftsleiter von Pink Cross, müssen diese Zahlen alarmieren: «Hinter jeder dieser Meldungen steht ein menschliches Schicksal, und leider sind junge Menschen besonders betroffen.» Zwei Drittel der gemeldeten Hate Crimes finden im öffentlichen Raum statt. Vielfach handelt es sich um Beschimpfungen und Belästigungen mit Worten oder Gesten. In 52 Fällen kam es zu einer Diskriminierung und bei 45 Meldungen zu körperlichen Angriffen.
Die Folgen sind nachhaltige Verletzungen und Einschränkungen
59 Prozent der betroffenen Personen sprechen von psychischen Folgen der Hate Crimes, die sie im Leben einschränken. Besonders starke Folgen haben Hate Crimes, die in einem institutionellen Umfeld, wie in der Schule, bei der Arbeit oder im Gesundheitswesen stattfinden. Dort, wo sich alle Menschen sicher fühlen sollten.
Nur wenige suchen institutionelle Hilfe
Nur bei 10 Prozent der gemeldeten Hate Crimes wird auch die Polizei eingeschaltet, dabei handelt es sich mehrheitlich um Fälle von körperlicher Gewalt. Muriel Waeger von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) sagt dazu: «Besonders wichtig ist, dass Polizei und Behörden für Hate Crime Opfer sensibilisiert sind und die notwendige Hilfe leisten.» Die Personen suchen grundsätzlich meistens Unterstützung bei Freund*innen und Familie sowie bei therapeutischem Fachpersonal oder bei der LGBTIQ Helpline.
Nationaler Aktionsplan gegen Hate Crimes gegenüber LGBTIQ-Personen
Im Januar hat der Bundesrat einen nationalen Aktionsplan gegen Hate Crimes an lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter und queeren Menschen verabschiedet. Darin sind zwölf Massnahmen zu Unterstützung, Prävention und Monitoring vorgesehen. Jann Kraus von Transgender Network Switzerland (TGNS) fordert dazu: «Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Massnahmen dieses Aktionsplans so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen, um LGBTIQ-Personen besser vor Diskriminierungen und Verletzungen zu schützen.»

